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Jul 08

HowTo: Servolenkung am Typ 81 nachrüsten

Dieses Wochenende habe ich meinem 80er ENDLICH die Servolenkung spendiert, die ich ende 2010 gekauft habe. Das hat so lange gedauert, da ich leider an einen sehr unzuverlässigen Verkäufer geraten bin. Ich habe das Ding letztendlich bekommen, jedoch hat er sich damit fast ein Jahr zeit gelassen. Zu allem Überfluss war das Teil dann auch noch unvollständig, sodass ich es erstmal nicht eingebaut habe.

Soviel dazu. Warum macht man so einen Umbau? Ich persönliche hatte dafür 2 triftige Gründe. Zum einen ist das manuelle Typ 81 Lenkgetriebe recht Lang übersetzt. 4.5 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag. Mir ist es schon oft passiert, dass ich beim zügig um enge Kurven fahren kaum mit dem Kurbeln hinterher gekommen bin.
Desweiteren erhöhen die ET25 Felgen, die ich im Sommer fahre, die Lenkkräfte nicht grade unerheblich. Bei starken Spurrillen muss man ganz schön mit dem Lenkrad kämpfen, und auch ein und ausparken macht damit nur wenig Freude.

Was braucht man alles?
  • Servopumpe
  • Halter + Schrauben-
  • Schläuche
  • Lenkgetriebe
  • Ölbehälter inkl. Halter
  • Gummitülle für die Spritzwand
  • Komplettes Lenkgestänge
  • Riemenscheibe für die Kurbelwelle
  • 2l Dexron 3 ATF - z.b. liqui moly top tec ATF 1100

Hat man das alles beisammen (oder auch nicht ..), kann man mit dem einbau beginnen. Dafür sollte man sich einen Samstag zeit geben. Hat man eine helfende Hand, oder noch besser, jemanden, der das schon mal gemacht hat, geht's sicher wesentlich schneller.

Ich habe damit begonnen, die Ablage unterm Lenkrad, sowie das Lenkrad und den Lenkstockschalter abzubauen. Das Zündschloss ist mit einer Inbusschraube von unten festgeschraubt, sowie mit dem Sicherungsring auf der Lenkstange gesichert. Den Sicherungsring gut aufheben, da er später wieder gebraucht wird!

Jetzt lässt sich das Zündschloss abziehen und das Lenkgestänge nach unten aus dem Sicherheitselement aushaken. Der 2. Teil der Lenksäule ist am Lenkgetriebe mit einer Schelle befestigt. Die Schraube der Schelle muss komplett rausgedreht werden.

Szenewechsel. Jetzt kann das alte Lenkgetriebe ausgebaut werden. Alleine geht das am besten, wenn man sich unter's aufgebockte Auto halb unter den Radkasten legt, sodass man mit der einen Hand in den Radkasten, und mit der anderen in den Motorraum reichen kann.
Das Lenkgetriebe ist an 2 stellen mit der Karosserie verbunden: Im Radhaus auf der Fahrerseite mit 2 6er Inbusschrauben, die im Motorraum mit Muttern gekontert sind, sowie 2 17er Muttern an der Spritzwand. Diese bekommt man übrigens auch besser auf, wenn man unterm Auto liegt.

Anschließend muss der Mitnehmer am Lenkgetriebe abgeschraubt werden, an dem die beiden Spurstangen befestigt sind.
Hierbei beachten, dass die Aufnahme im Lenkgetriebe Gewinde hat, und die Schrauben zusätzlich von unten mit 2 Muttern gesichert sind. Es müssen also zuerst die Muttern von unten geöffnet werden, um die Schrauben losschrauben zu können. Ein eventuell Vorhandener Lenkungsdämpfer muss natürlich auch abgeschraubt werden.
Nun lässt sich das Lenkgetriebe aus dem Motorraum wursteln. Auch hier: Geht am besten von unten, wie ich finde..

Sobald das Lenkgetriebe ausgebaut ist, kann die Gummimanschette aus der Spritzwand genommen werden. So lässt sich das Lenkgestänge einfacher raus ziehen.
Hier sieht man den Grund für die Unterschiedlichen Gummimanschetten und Lenkstangen.
Das Lenkgetriebe mit Servounterstützung ragt weiter in den Innenraum, weshalb die Lenkstange kürzer sein muss.
Das schwarze Teil war übrigens bei meinem "kompletten" set dabei, jedoch passt das Ding nicht in den Typ 81.
Links: Lenkstange ohne Servo
Mitte: Lenkstange für die Servo
Rechts: Unidentifizierbares Fragment

Die Gummimanschetten und die beiden Lenkgetriebe im Vergleich.
Links jeweils "Ohne servo", rechts das Servo-pendant.

Als nächstes muss die Gummimanschette für die Servolenkung in die Spritzwand gesetzt werden. Das geschieht von innen, mit der Wölbung nach innen. Danach das Servolenkgetriebe einbauen.

An der Stelle habe ich dann die ganze "Peripherie" in den Motorraum gebaut. Der Servoölbehälter kommt an die 3 freien Stehbolzen an der Spritzwand. Der Halter der Servopumpe wird an insgesamt 7 punkten am Motorblock festgeschraubt. 3 Davon teilt er sich mit der Wasserpumpe, weshalb hier längere Schrauben benötigt werden.
Die 4 freien Gewinde am Motorblock habe ich mit Rostlöser gereinigt, da diese im Laufe der Jahre doch ziemlich verdreckt sind.

Die Keilriemenproblematik ..

Zu guter letzt hat auch der Keilriemen nicht gepasst.
Ich hatte mir bei der Bestellung für den großen Wartungsstau auch einen Servokeilriemen mitbestellt, der das Format 10x763 hat.
Stellte sich heraus, dass der ein Stück zu kurz ist. Als alternative hatte ich noch einen Typ 89 Keilriemen zur Hand, der mit 9.5x850 wiederum zu Lang war.

Die Lösung für dieses Problem war eine andere Riemenscheibe für die Servolenkung (Typ 89), sowie ein 10x825 Keilriemen, der zufälligerweise in der Werkstatt rumlag.
Woran genau das liegt, weiss ich auch nicht. Ich habe für die Kurbelwelle die Riemenscheibe von einem Typ 89 verwendet, eventuell hat die einen größeren Durchmesser als die, die ursprünglich für den Typ 81 gedacht war.

Als nächstes habe ich dann den Innenraum wieder zusammengebaut. Die Lenkstange der Servolenkung hat zusätzlich einen Gegenhalter bzw eine Führung, die an den Pedalblock geschraubt wird.

Sobald das Zündschloss wieder sitzt, muss die Abstandshülse mit der Feder aufgesetzt werden. Hier kommt der Sicherungsring von vorhin wieder ins Spiel, denn dieser muss aufgeschlagen werden, sodass die Feder unter Vorspannung steht. Das klappt mit einem 19er Ringschlüssel und einer großen Zündkerzennuss sehr gut.

Lenkstockschalter, Lenkrad und Ablagefach habe ich auch gleich eingebaut, allerdings nicht Fotografiert.

Zu guter letzt geht's nochmal unters Auto, um die Hydraulikleitungen festzuschrauben, und auch alle anderen Verschraubungen nochmal zu kontrollieren.
Ich habe hierbei auch den Auspuff meiner Standheizung ein wenig umgesiedelt, der hat vorher nämlich die Ölwanne angehaucht, allerdings ist jetzt die Servopumpe im weg.

Zum Schluss muss die Anlage befüllt und Entlüftet werden.
Dafür gibt es eine Spezielle Vorgehensweise:

  • ATF bis MAX auffüllen
  • Motor kurz starten, und sofort wieder ausschalten
  • ATF wieder bis MAX aufüllen, Motor wieder starten und ausschalten..
  • So oft wiederholen, bis der ATF Pegel nicht mehr sinkt
  • Motor laufen lassen, und mehrmals bis zum Anschlag nach Links und Rechts einlenken. Dabei wird die Lenkung entlüftet.
  • ATF-Stand beobachten, sinkt er dabei ab, wieder auf MAX auffüllen
Jetzt ist die Anlage befüllt und entlüftet.

Fazit:
Empfehlenswert! Die Servo ist direkter übersetzt, was das "flotte" Fahren angenehmer macht. Geschmackssache obs ein Nachteil ist: Die Rückmeldung über's Lenkrad nimmt ab. Ich merke nicht mehr viel von dem alten "Spurrillen suchen", das der wagen mit den ET25 Felgen gemacht hat, und auch wenn man mit Tempo vielzuschnell eine Autobahnauffahrt hochgeschossen kommt, fehlt das Störrische gegendrücken, was die Lenkung vorher gemacht hat. Man kann sich also weniger auf das Gefühl in den Händen verlassen, wenn es darum geht, die Haftung an der Vorderachse zu erfühlen...

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